Robert Auzelle (1913-1983) hatte ein Verständnis von Architektur, deren Aktualität nicht geleugnet werden kann: Architektur war für ihn Ort und Instrument von Kommunikation.
Es sind die selben Überzeugungen, die sein Werk als Urbanist inspiriert haben. Er hat einen Teil seines Lebens der Wiederherstellung der Friedhofarchitektur gewidmet in der humanistischen Überzeugung, dass der Wert einer Zivilisation am Respekt gemessen wird, den sie dem Gedenken ihrer Toten erweist. Als forschender Mensch hatte er das Motto "Immer dazulernen." Da er überzeugter Pädagoge war, ist jedes seiner Werke so entworfen, dass es unterrichtsdienlich und beispielhaft ist.
Auch durch seine Lehre, seine öffentlichen Auftritte und seine Publikationen hat er großen Einfluss gehabt in Frankreich aber auch im Ausland. Mehr als 200 Artikel und Konferenzen sowie neun Bücher sind im "Institut Francais d'Architecture"( Paris) unter seinem Namen aufgelistet.

Robert Auzelle wird am 8. Juni 1913 in Coulommiers geboren.

Im Juni 1931 wird er an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux Arts angenommen und er schreibt sich beim Atelier Bigot ein.

Sein Ausbildungsweg ist glänzend: im Jahre 1934 erringt er den Preis Müller-Soehnée, der dem Schüler der zweiten Klasse zugeteilt wird, der die höchsten Bewertungen des Jahres erreicht hat. Am 17. Juni 1936 erhält er die Bewertung Sehr gut für sein Architektendiplom; Beim Salon französischer Künstler 1938 stellt er eines von seinen Schulprojekten (1) aus. Im Jahre 1939 schließlich erringt er den Chenavard-Preis für das Projekt "ein Friedhof im Park Désert de Retz" Im Jahre 1936 trägt sich Robert Auzelle am Institut für Städtebau an der Universität von Paris ein und wird im Jahre 1942 diplomiert.

Die Vorbereitungen für die Weltausstellung 1937 geben Anlass zu wichtigen Wettbewerben in der Architektur und Stadtplanung. Die Stadtplanung bildet einen neuen Schwerpunkt für die jüngere Generation von Architekten, darunter Auzelle, der glaubt, dass die Institute nicht die nötige Ausbildung anbieten, um an fundamentale Fragen der Stadtplanung herangehen zu können.

Während des Wiederaufbaus nach der Befreiung Frankreichs wählte er den öffentlichen Dienst.

Diese Wahl ergab sich aus der anspruchsvollen Vision, die er von der Aufgabe der Architekten im Frankreich der Nachkriegszeit hatte. In diesem Land, in dem 30 Jahre lang kaum noch gebaut worden war, ging es darum, eine regelrechte Wiedergeburt der Architektur voranzutreiben und zwar in Verbindung mit einer zeitgemäßen Städteplanung.

1945, im Alter von 32 Jahren, wurde Robert Auzelle Professor am Institut für Städtebau in Paris. Im Jahr 1961 bat André Gutton ihn um Mitarbeit im Fach Städteplanung an der École des Beaux-Arts. Die Gründer des Seminar Tony Garnier im Jahr 1961, André Gutton und Robert Auzelle waren überzeugt von der Notwendigkeit einer praxisorientierten Ausbildung. Sie haben daher in der Realität verankerte Programme vorgesehen, um die Bedingungen zu simulieren, die den zukünftigen Städteplanern bei der Ausübung ihres Berufes begegnen würden. In diesem Seminar machte Auzelle die Schüler vertraut mit den Methoden, die er selbst im Laufe seiner Karriere angewendet hat. Robert Auzelle begann ab 1947 zusammen mit Ivan Jankovic eine " Encyclopédie de l'Urbanisme " (2) herauszugeben.

Mit der Encyclopedie machten die Herausgeber Modelle der Stadtentwicklung bekannt, und bemühten sich, eine Arbeitsmethode voranzutreiben, die auf einer genauen Dokumentation beruht. Robert Auzelle ließ die Studenten Alben herstellen mit Blättern vergleichender urbaner Elemente aus allen Epochen, im gleichen Maßstab gezeichnet und ließ sie dadurch ein Gespür entwickeln für die Notwendigkeit, offen zu sein für die Vielfalt der Formen und Erfindungen und diese während der Ausarbeitung der eigenen Entwürfe im Blick zu behalten.

1945 wurde er mit der Aufgabe betraut, in der Bretagne Architekten und lokal Verantwortliche bei der Planung zum Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Städte zu beraten. Zu diesem Zeitpunkt definierte er den Begriff des defekten Lebensraumes. Dabei perfektionierte er eine Methode, um den Grad der Gefährdung durch die Gebäude zu bestimmen und auch um die Lebensweise und den Lebensstandard der Bewohner zu bestimmen um so Informationen zu bekommen vor der Entscheidung, ob ein Gebäude erhalten, saniert oder abgerissen werden sollte. Von nun an galt ein großer Teil seiner Aktivitäten der Erforschung und der Bekanntmachung der Prinzipien und Methoden einer Städteplanung, die er definiert als ein "bewusstes Gestalten des Raumes".

"Auzelle suchte bedeutende methodische Regeln für die Stadtplanung zu erreichen und nicht nur administrative Regeln." Robert JOLY, Der Plan des Urbanisten und Architekten Robert Auzelle für Neufchâtel-en-Bray(1945) (3) legt den Grundstein für ein Modell des Wiederaufbaus: Die öffentlichen Gebäude sind um einen bepflanzten und landschaftsgärtnerisch gestalteten Platz herum gruppiert. Die Realisierung des Viertels de la Plaine in Clamart (1947-1953/ 1964) (4) ist der überzeugendste Gegenvorschlag gegenüber dem Bau von Hochhauskomplexen.

Ausgehend von seinen Untersuchungen am Studienzentrum der Generaldirektion Städteplanung im "Ministère de la Reconstruction" (Ministerium für Wiederaufbau) hatte Robert Auzelle in dieser Zeit Theorien entwickelt über den Bau von Gebäuden zu Wohnzwecken. Diese Realisation verdeutlicht diese Theorien: Verzicht auf die Anordnung der Gebäude als Begrenzung der Straßen; Vielfalt und Abwechselungsreichtum von Wohnungen und Gebäuden. Als Vize-Präsident des Studienzentrum hat er das Ziel, ein Verfahren und eine Reihe von gemeinsamen Regeln für Eingriffe bei der Stadtplanung zu entwickeln, um gleichmäßigere Intervention der zuständigen Mitarbeiter in den verschiedenen Départements zu erreichen und die Mitarbeiter fortzubilden.

"Der Grundsatz seiner Methode war, zu wiederholen, dass der Städteplaner-Architekt nicht als 'deus ex machina' auftreten kann, dass er nicht allwissend ist. Es war unbedingt notwendig, sich auch auf anderes Wissen zu stützen als das rein architektonische." Charles Delfante Urbanist (ausgebildet durch Robert Auzelle im Studienzentrum an der Direction générale de l'urbanisme).
Im Jahr 1958 nahm das Entwicklungsprojekt la Défense mit der Schaffung der EPAD (L'Établissement public pour l'aménagement de la région de la Défense) entscheidende Form an. Der zum Direktor der EPAD ernannte André Prothin sah den Anachronismus des ersten Konzeptes aus dem Jahr 1956, bat Robert Auzelle um einen neuen Entwurf, den dieser in Zusammenarbeit mit Ivan Jankovic anfertigte .Bei der Aktualisierung des Projet de la Défense fügt er das Prinzip der Trennung von Autoverkehr und Fußgängerebene (La dalle piétonnière) hinzu. Auzelle war überzeugt, dass in der Défense ein Kulturzentrum von Bedeutung gebaut werden musste und entwickelt zwischen 1969 und 1972 mit Hector Patriotis für den Abschluss der Défense (5) ein Projekt mit völlig freier Sicht auf Paris. Die Rolle von Robert Auzelle beim (Aufbau) der Défense war erheblich durch den seinen Einfluss auf die politisch Verantwortlichen. Er hat an zahlreichen Stadtplanungen, insbesondere in Papeete (Ozeanien) und Porto (Portugal, 1951-1956/ 1961) gearbeitet.

Man wird sich nicht wundern, wenn sich ein Urbanist um die Entwicklung von Friedhöfen kümmert. Aber Robert Auzelle machte den Raum der Toten zu einem Objekt der Meditation, das ihn sein Leben lang beschäftigte. Er hat viel dazu beigetragen, in Frankreich das Konzept und die Praxis des Landschaftsfriedhofs einzuführen. Man verdankt ihm insbesondere die drei großen gemeindeübergreifenden Friedhöfe von Clamart (1951), Valenton (1971-1973), und Villetanneuse (1972-1976) in der Region Paris (6 und 7).

Robert Auzelle war Präsident der Architekturakademie von 1976 bis 1979. Wiedergewählt für eine zweite Amtszeit ist er in der Ausübung seines Amtes am 22. Dezember 1983 gestorben. Dieser Architekt und Urbanist hat nicht nur viele Wege in Forschung und Lehre eröffnet, sondern hat auch ein Beispiel dafür gegeben, dass die Forderung nach der Qualität persönlichen Einsatz bedeuten sollte.

1. Ein Seefunkfeuer für die Porte oceane in Le Havre. Studienprojekt von Robert Auzelle, im Jahr 1938 ausgestellt auf dem Salon der französischen Künstler.

2. Auszug aus der Enzyklopädie " l'encyclopédie de l'urbanisme" über die Stadt Letchworth in Großbritannien. Eine systematische Darstellung mit einem Generalplan und detaillierten Plänen, einer Luftaufnahme und fotografische Studien der verschiedenen Stadtviertel.

3. Das administrative Zentrum der Neufchatel-en-Bray,: das Gerichtsgebäude mit seinen stark vorspringenden Dachfenstern.

4. Das Zentrum « La Plaine » in Clamart. Modell eines Gartenviertels, geprägt durch vernünftige Verteilung von Verkehrsflächen, Gebäuden, freien und gemeinschaftlich nutzbaren Räumen..

5. Abschluss und Kopf der Défense. Projekt Robert Auzelle und Hector Patriotis.Am längsten Ende der Perspektive ein Theater für Paris, für Europa. Auf einem Hügel von Tribünen hätte man ganz Paris auf einen Blick gesehen.

6. Am Waldrand : Der Friedhof von Clamart.

7. Das Innere des interreligiösen Raumes des Friedhofes Fontaine-Saint-Martin.